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Micro-Payment strapaziert unsere geistige Vorstellungskraft

Zu jammern, dass die „Anderen“ einen Vorsprung bezüglich digitaler Initiativen haben zeigt, dass wir uns als Vorreiter auch mal bewegen müssen. 

In Europa fehlt ein UPI (Unified Payments Interface). WhatsApp hat eine derzeit noch versteckte Funktion in seine App integriert, die „sofortiger Bank-zu-Bank-Transfer mit UPI“ heißt. Ob dies schon wieder ein Angriff digitaler darwinistischer Transformation ist? Bei UPI handelt es sich um ein Bezahlsystem, das von der National Payments Corporation of India (NPCI) ins Leben gerufen wurde, um direkte Geldtransfers auf mobilen Plattformen zwischen Nutzern in einer P2P-Struktur zu ermöglichen. 

Was wohl WhatsApp hier einführen möchte? Ja klar, es geht um Daten um beispielsweise Geld an „Freunde“ über das Smartphone zu  überweisen. Neben den Daten wird dann wohl in Zukunft auch die Bank bei WhatsApp landen. Aber das werden unsere Geldstrategen wohl wissen. Natürlich steht Apple mit einer ganz eigenen Bezahlfunktion Gewehr bei Fuß und die Zeit der Bezahlsysteme, die den Markt überschwemmen werden, ist wahrscheinlich in kürzester Zeitspanne zu erleben.  In Indien befindet sich die UPI-Funktion in der Beta-Version für Android. Da das Verfahren auf dem System Aadhaar basiert, das jedem Bürger Indiens eine 12-stellige Identifikationsnummer zuweist, werden wohl nur die 200 Millionen aktiven WhatsApp-Nutzer dieses Landes davon profitieren können. Aufgrund der dortigen Probleme mit Bargeldzahlungen durch die Abschaffung der 500- und 1.000-Rupien-Noten, ist dieser Schritt durchaus sinnvoll und wird auch von anderen Messenger- und Chat-Anbietern in Indien durchgeführt. Anbieter sollten sich jedoch klar darüber sein, dass P2P-Transfers alleine noch keinen Mehrwert für Kunden darstellen. Das bedeutet: So wie herkömmliche Bezahlverfahren über Kreditkarte oder Rechnung müssen P2P-Systeme in einen Kontext integriert werden. 

WhatsApp hat genau dies getan. Im konkreten Anwendungsfall für P2P-Payments bei WhatsApp kann Geld nun an einen Freund überwiesen werden, während der Nutzer mit ihm chattet. Ein weiterer Use Case entsteht durch die Kommunikation zwischen Kunden zum Beispiel mit einem Online-Shop, Lieferservice oder Chatbot. Wenn die Anwender den Kontext, in dem sie sich gerade befinden, wie beispielsweise den Online-Einkaufsvorgang oder den Chat mit einem Freund, verlassen müssen, um Dienste zu bezahlen oder Geld zu überweisen, entsteht eine zusätzliche Hürde. Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit stark zu, dass sie den Vorgang abbrechen. In Europa fehlt dazu die notwendige Basis. Wer weiß, ob wir in Österreich auch bald eine solche Basis haben werden, um bank- und länderübergreifend per SMS, Chat-Programm oder in anderen Anwendungen Geld einfach, schnell und sicher zu transferieren.